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Du bist Du, so wie du bist.

Ein Charity Nachmittag mit dem Pferdeflüsterer Monty Roberts im Reitverein Corona.

Neben der Pferdeflüsterei und den großen Veranstaltungen hat Monty Roberts immer noch Zeit und Energie für soziale Projekte. Während der Deutschland Tour 2004 waren tatsächlich ein paar freie Tage und so entstand die Idee, mal eben auf die Schnelle eine kostenlose Vorführung für Kinder und Jugendliche zu organisieren.

Innerhalb weniger Tage sollte ich das Projekt umsetzen und konnte rund 50 Kinder einladen, einen Nachmittag mit dem Pferdeflüsterer zu verbringen. Ein Budget für solche Events gibt es natürlich nicht und so stellte der Reitverein Corona im Münchner Süden seine Örtlichkeiten und die Pferde zur Verfügung, Texas Trading den Roundpen und ein befreundetes Unternehmen borgte Beamer und Leinwand.

Es waren fast 70 Kinder die teils aus der Nähe mit öffentlichen Verkehrsmitteln, mit Eltern oder über 100 Kilometer weit mit einem Bus für diesen Nachmittag eintrafen. Es waren sogenannte „Problemkinder“: geistig oder körperlich Behinderte, Waisen, Hyperaktive, Schwererziehbare und sie füllten gemeinsam mit ihren Begleitern, Erzieher und Eltern die Bänke die in der Reithalle aufgebaut waren. Zuerst hat Monty Roberts ihnen aus seinem Leben erzählt, von seiner Kindheit, über Vertrauen und Gewalt und dass Tiere seine besten Freunde waren. Die Menschen und auch sein Vater haben versucht, Kinder und Pferde mit Gewalt zu erziehen. Doch wenn man Gewalt anwendet, bekommt man irgendwann Gewalt zurück. Tiere sind da anders. Sie finden „Du bist Du, so wie Du bist“ und das reicht aus um akzeptiert und respektiert zu werden.

Das zeigt auch die Geschichte von Shy-Boy, dem wilden Mustang. Begleitet von Filmausschnitten der BBC Dokumentation lauschen die Kinder dem Abenteuer von Shy-Boy, der in einer Wildpferdeherde in der Prärie lebt und vorher wahrscheinlich noch nie einen Menschen aus der Nähe gesehen hat. Durch Montys Methode das Vertrauen der Pferde zu gewinnen, schließt sich Shy-Boy dann den Menschen und den gerittenen Pferden an. Im Zuge des Experimentes wird er dann jedoch wieder frei gelassen und verbringt die ganze Nacht bei den Wildpferden. Bei Tagesanbruch kommt er dann zurück zu Monty und seinem Team. Dies ist das Ende der Geschichte und das Ende des ersten Teils der Veranstaltung. Zeit Fragen zu stellen und ein paar Kinder wollen wissen wo Shy-Boy jetzt ist oder auch was ein Cowboy so arbeitet. Eine Betreuerin meldet sich auch zu Wort und fragt, was man den tun könne, wenn ein Kind so gerne Kontakt zu Pferden hätte, aber gleichzeitig so viel Angst vor Pferden hat, dass es sich nicht in die Nähe traut. Eine allgemeingültige Antwort ist natürlich schwierig und Monty empfiehlt, dem Kind immer wieder Möglichkeiten anzubieten, Pferden zu begegnen.

Im zweiten Teil der Veranstaltung zeigt eine von Montys Mitarbeiterinnen die Arbeit mit dem Pferd, ein Join up, die nonverbale Kommunikation zwischen Mensch und Pferd im Roundpen. Und zum krönenden Abschluß darf ein Kind gemeinsam mit Katja aus Montys Team nun ein Join up mit einem Pferd des Reitvereins versuchen. Wer traut sich? Die vorlauten Buben schauen jetzt eher auf den Boden oder in die Luft, ein oder zwei größere Mädchen melden sich. Ich beobachte ein kleineres Mädchen, das unsicher ist – mal meldet sie sich und dann zieht sie ihren Arm schnell wieder weg. Doch in dem Moment wo Montys Blick sie streift ist ihr Arm oben und er wählt sie aus. Gemeinsam mit Katja geht sie in den Roundpen und wird gefragt ob sie ein eigenes Pferd habe? „Nein“ sagt sie. Ob sie schonmal geritten sei? „Nein“ sagt sie wieder und dann kommt auch schon das Schulpferd herein und es geht los. Zusammen mit Katja gelingt ein perfektes Join up, das Schulpferd schließt sich dem kleinen Mädchen an und lässt sich von ihr auf der Stirn streicheln. Die beiden bekommen Applaus und damit ist die Vorstellung zu Ende. Die Kinder verabschieden sich und die Betreuerin, die die Frage zu dem ängstlichen Kind gestellt hat kommt nochmal heran. Wir alle können es fast nicht glauben, als sie mit bebender Stimme erzählt, dass das ängstliche Kind von dem sie vor der Pause sprach, gerade eben das Mädchen im Roundpen gewesen sei. Die Kleine hat irgendwie geahnt, dass ein Nachmittag mit dem Pferdeflüsterer die beste Gelegenheit ist, ihre Angst zu besiegen und den Pferden nahe zu kommen. Und Monty Roberts hat intuitiv genau dieses Kind ausgewählt, das sich an diesem Nachmittag seinen Traum erfüllt.

Menschen und Pferde verbindet nicht nur eine gemeinsame Geschichte über die Jahrtausende und nicht nur Reiten und Sport in der heutigen Zeit. „There is something about the outside of a horse that is good for the inside of a man” soll Winston Churchill gesagt haben und er hat recht damit.

Doris Semmelmann, Juni 2004