Das Schaf wird immer eine wollige Insel der Friedfertigkeit unter all den Scharfmachern sein

"Wenn es uns gelingen sollte, das Schöne und das Nützliche, in einer Gestalt zu vereinen, dann sehen wir ein Wesen vor uns stehen, das uns gleichermaßen fremd und vertraut ist, kurz gesagt: Wir sehen ein Schaf."

 

schreibt die Süddeutsche Zeitung am 19. Januar 2018 in der Glosse "Das Streiflicht", weil die Stiftung "Bündnis Mensch und Tier" das Schaf zum Haustier des Jahres 2018 ernannt hat.

Schön und nützlich, flauschig und bescheiden. Genügsamkeit wird dem Schaf zugesprochen, es wolle nur eine gute Weide. Zudem sei es nicht nachtragend und teamfähig. Der ideale Zeitgenosse also. In der Tat.

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Und damit ist es uns Menschen gar nicht so unähnlich. Auch wir wollen so etwas wie eine gute Weide, wir wollen uns wohlfühlen, da wo wir sind und ausreichend Futter haben. Auch wenn uns - ebenso wie dem Schaf - das Gras auf der anderen Seite des Zauns manchmal grüner erscheint. Vielleicht probiert man es aus und merkt, dass das Gras grüner aussah als es tatsächlich ist. Vielleicht enthält es auch Glyphosat oder ist mit Bullshit gedüngt, so dass man gern auf der altbewährten Weide bleibt.

Dass Schafe nicht nachttragend und teamfähig sind, leuchtet ein, denn sie sind Herdentiere. Die Herde als Gruppe ist stärker als ein einzelnes Schaf alleine. Die Schafe wissen das und darum ist zickiges Geblöke meist schnell wieder vorbei. Zudem gibt es immer noch den Schäfer, der vorne sagt, wo es lang geht und den Schäferhund, der aufpasst, dass keiner abhandenkommt. Auch ganz angenehm, wenn die anderen die Verantwortung übernehmen.

Kommt Ihnen das bekannt vor? Ja?

Weil Schafe uns Menschen bei den Bedürfnissen gar nicht so unähnlich sind, eignen sie sich hervorragend als Co-Trainer im Team-Building. Karriere, Titel und Firmenwagen interessieren sie nicht die Bohne, solange die Basis nicht stimmt. Vielmehr machen sie deutlich, um was es wirklich geht: Sicherheit, Zusammenarbeit und gute Führung. Das wird in jedem Teamtraining klar. Und noch was können wir von den Schafen lernen: Durchhaltevermögen und Frustrationstoleranz. Sie wechseln nicht die Herde, weil der Schäfer mal einen Umweg geht. Sie sind weder agressiv noch depressiv, weil das andere Schaf größere Hörner hat.

Die SZ nennt es "eine wollige Insel der Friedfertigkeit unter all den Scharfmachern". Oder, einfacher ausgedrückt, mit dem norddeutschen Sprichwort:

Sturm ist erst, wenn die Schafe keine Locken mehr haben.